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Die Angst das Baby zu verwöhnen

„Wenn Du immer gleich springst, wird sie nie lernen sich selbst zu beruhigen.“
„Wenn Du ihm heute den kleinen Finger gibst, nimmt er morgen die ganze Hand.“
„Warum trägst Du denn Dein Baby ständig? Kein Wunder, dass es immer weint, sobald es abgelegt wird. Es muss doch auch mal lernen ohne Dich klar zu kommen.“

Inhaltsverzeichnis:

  • Woher kommt die Angst vor dem Verwöhnen?
  • Warum wir Babys nicht verwöhnen können
  • Nähe ist ein Grundbedürfnis
  • Wie babyTragen die Bindung zwischen dir und deinem Baby stärken kann

Woher kommt die Angst vor dem Verwöhnen?

Solche oder so ähnliche Aussagen sind Dir möglicherweise auch schon begegnet. Doch woher kommt diese Angst die Kleinsten in unserer Gesellschaft mit zu viel Zuwendung zu verwöhnen? Vor allem, wo bei uns Erwachsenen das Verwöhnen doch mit schönen Dingen assoziiert wird. Unseren Partner verwöhnen wir in der Regel sehr gerne und auch wir selbst freuen uns darüber, wenn wir zum Beispiel mit einem leckeren Frühstück, einer Massage oder einer heißen Tasse Tee nach einem anstrengenden Tag überrascht werden.

Die Angst vor dem Verwöhnen kommt aus einer Zeit, zu der es wichtig war, dass Kinder funktionierten. Ein autoritärer Erziehungsstil war normal. Und es waren wenig wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse über die kindliche Entwicklung bekannt. Kinder wurden oft als kleine Tyrannen bezeichnet, die ihre Eltern manipulieren und kontrollieren wollen.

Heute weiß man, dass kleine Kinder und insbesondere Babys auf Grund ihrer Entwicklung dazu überhaupt noch nicht in der Lage sind. Es gibt inzwischen so viele wertvolle Erkenntnisse. Wenn wir uns damit beschäftigen, kann das helfen alte Glaubenssätze abzulegen und unsere Kinder als das zu sehen, was sie sind: zu Beginn ihres Lebens ohne uns nicht überlebensfähig und zu einhundert Prozent auf unsere Liebe und Fürsorge angewiesen. Es ist wichtig zu wissen, dass Babys nie ohne Grund weinen. Weinen ist ein wichtiges Kommunikationsmittel, um uns darauf aufmerksam zu machen, dass etwas nicht stimmt. Neben dem Weinen gibt es natürlich auch etliche weitere Anzeichen, an denen Du erkennen kannst, dass bei Deinem Baby gerade etwas nicht stimmt.

Warum wir Babys nicht verwöhnen können

Menschenbabys kommen mit einem unreifen Nervensystem auf die Welt, es ist nur zum Teil ausgebildet. Das vegetative Nervensystem besteht vereinfacht gesagt aus zwei Komponenten. Auf der einen Seite gibt es den Sympathikus. Er ist von Beginn an voll funktionsfähig und sorgt dafür, dass Babys in Stresssituationen auf sich aufmerksam machen. Mögliche Auslöser für Stress sind Bedürfnisse wie Hunger, Trost oder Nähe. Für ein Baby kann die Nichterfüllung dieser Grundbedürfnisse in letzter Konsequenz bis hin zu Todesangst führen.

Und dann gibt es noch den Parasympathikus, den Gegenspieler des Sympathikus. Er sorgt in stressigen Situationen für Entspannung. Allerdings ist er bei Babys noch unreif. Er entwickelt sich erst mit der Zeit und muss wie ein Muskel trainiert werden. Doch wie funktioniert dieses Training? Um das zu verstehen, musst Du nicht erst zehn Ratgeber lesen oder eine Fortbildung besuchen. Du machst es ganz intuitiv. Wenn Dein Baby weint, nimmst Du es auf den Arm und findest heraus, was es braucht. Auf diese Weise kann das Nervensystem Deinen Babys reifen. Durch das wiederholte Eingehen auf die Bedürfnisse Deines Babys lernt Dein Kind bzw. sein Nervensystem Gefühle und Bedürfnisse einzuordnen und kann eigene Strategien entwickeln damit umzugehen. Bis Dein Kind allmählich lernt sich selbst zu beruhigen, dauert es locker 2-4 Jahre. Bis dahin ist es auf Deine Co-Regulation angewiesen.

Was passiert also, wenn Du auf die Bedürfnisse Deines Kindes eingehst und ihm die Zuwendung gibst, die es braucht? Wenn Du die Bedürfnisse Deines Babys erkennst und sie stillst und Du dein Baby immer wieder tröstest, auf dem Arm nimmst, mit ihm sprichst und es liebevoll begleitest? Damit verwöhnst Du dein Baby nicht etwa, sondern Du hilfst seinem noch unreifen Nervensystem dabei sich gut zu entwickeln und stärkst es für sein weiteres Leben. Und Du trägst damit entscheidend zur Entwicklung einer guten Eltern-Kind-Bindung bei.

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Nähe ist ein Grundbedürfnis

Neben dem Bedürfnis nach Nahrung, ist für Babys die emotionale Bedürfnisbefriedigung besonders wichtig. Eines der Grundbedürfnisse ist das Bedürfnis nach Nähe. Doch warum ist das so?

Dein Baby weiß nicht,
dass wir im 21. Jahrhundert leben und das Babyphon direkt neben ihm steht.
dass Mama und Papa nicht mit dem Rest der Familie weitergezogen sind und es zurückgelassen haben, sondern sich nur im Raum nebenan aufhalten.
dass ihr nicht in einer Höhle, umgeben von wilden Tieren, wohnt, sondern in einer Wohnung oder einem Haus mit Fenster, Türen und Rauchmeldern.

Wenn Dein Baby Gefühlen und Bedürfnissen wie Einsamkeit, Angst, Hunger oder Durst ausgesetzt ist – die es noch nicht selbst regulieren kann – braucht es die Sicherheit, dass sich seine Bindungspersonen in unmittelbarer Nähe befinden. Es macht z.B. durch Weinen auf sich aufmerksam, in der Erwartung, dass seine Bezugspersonen sich um es kümmern.

Wenn Du als Bezugsperson erkennst, was das Bedürfnis Deines Babys ist und wie Du es unterstützen kannst, macht es die Erfahrung, dass es sich auf Dich verlassen kann. Dein Baby ist zufrieden und Du auch. Mit der Zeit wirst Du lernen, immer eher zu erkennen, was Dein Baby braucht. Wenn Du dein Baby in Deiner Nähe hast, wird Dir das viel leichter fallen. Erleichtere Dir deinen Alltag, indem Du dein Baby trägst.

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Wie babyTragen die Bindung zwischen dir und deinem Baby stärken kann

“Bindung ist das gefühlsgetragene Band, das eine Person zu einer anderen spezifischen Person anknüpft und dass sie über Raum und Zeit miteinander verbindet.” John Bowlby.

Durch das wiederkehrende und prompte Erfüllen von Bedürfnissen entsteht zwischen Dir und Deinem Baby eine immer stärkere Bindung. Dein Baby lernt, dass es sich auf Dich verlassen kann.

Menschenbabys sind Traglinge. Getragen werden ist das, was sie von uns erwarten. Neben vieler weiterer Vorteile, wie zum Beispiel dem optimalen Nachreifen der Hüften und der Wahrnehmung sämtlicher Körper- und Fernsinne, kann Babytragen auch die Bindung zu Deinem Baby stärken.

Wenn Dein Baby so nah bei Dir ist, wirst Du viel eher die ersten Signale wahrnehmen, die darauf hindeuten, dass etwas nicht stimmt. Du wirst sehr früh bemerken, wenn Dein Baby Hunger hat, wenn es müde ist oder ihm das Drumherum zu viel wird. Dein Baby kann sich außerdem ständig bei Dir rückversichern und auf Deine Einschätzung der Lage zurückgreifen (zum Beispiel, wenn Du dem Postboten die Tür öffnest oder es draußen plötzlich etwas lauter wird). Und es hat jederzeit die Möglichkeit sich zurückzuziehen, in dem es den Kopf wegdreht, zum Beispiel weil es gerade keine weiteren Reize von außen verarbeiten kann oder weil es müde ist.

Dein Baby ist zudem in Deinen Alltag integriert. Mit dieser direkten Nähe zueinander werdet ihr beide deutlich mehr miteinander kommunizieren und Du wirst die Signale Deines Babys viel früher erkennen. Vermutlich wird es Dir auch viel leichter fallen, Deinen Alltag auf diese Weise zu gestalten, da Du so viel flexibler und freier bist. All diese Aspekte können sich positiv auf eure Bindung auswirken.

Hab also keine Sorge davor, Dein Baby zu verwöhnen. Du darfst Dein Baby jederzeit trösten, tragen, es in Deiner Nähe schlafen lassen und ihm die Aufmerksamkeit schenken, die es benötigt. Genieße diese innige Zeit!

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VERFASSER: Laura Janotta (VONBEGINNANGEBORGEN.DE)

  • Trageberaterin
  • Zertifizierte FamilySteps® Kursleiterin
  • Fachkraft für Formula ernährte Säuglinge
  • Stillbegleiterin
  • Fachkraft für babybegleitete Beikost

Bilder: Gumpinger & Sturm GesbR
http://www.kamerakinderweddings.com

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